Nairobi

Gestern Morgen musste ich früh auf um um 7 parat zu sein für die Busfahrt nach Nairobi, wo wir in die Kirche gingen. Ich war von Beginn an gepackt von der Art wie die Afrikaner voller Freude tanzten und sangen und ihrem Rhytmusgefühl freien Lauf liessen :) . Auf dem Rückweg war es um einiges ruhiger da die meisten der Kinder schliefen... Zurück in Tigoni ging ich mit Marianne und Jonny in der Nähe in einem Restaurant essen. Die Zeiten mit den beiden schätze ich sehr, da sie mir dann sehr viel über all die Kinder hier erzählen und über deren Geschichten. Jedes dieser Kinder hat seine eigene traurige Geschichte und trotzdem sind sie alle so aufgestellt und lieben es zu lachen. Am Nachmittag spielen die Kinder oft irgendetwas. Gestern spielten vorallem die Jungs auf dem Feld Fussball während die Mädchen daneben sassen und ihnen zujubelten. Als ich mich zu ihnen setzte ging es nicht lange und wieder frisierten einige der Mädchen meine Haare, sassen mir auf die Beine und betrachteten meine Hände. Auch der kleine Michael der 4 jährig ist und erst seit einer Woche hier aber nur ganz wenig Kikuyu spricht, nimmt mich oft bei der Hand, betrachtet sie und dann beginnt er zu lächeln, das ist seine Art zu sprechen. Später schauten wir einen Film, wie es hier jeden Sonntag getan wird. Nach dem Nachtessen ging ich schon ziemlich bald schlafen, da ich einfach ständig müde bin. Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass all die neuen Eindrücke einfach ermüdend wirken und auch das "kenianische" Englisch zu verstehen ist nicht immer einfach. Und auch an das Essen muss ich mich noch ein wenig gewöhnen, aber das wird alles noch, schliesslich habe ich noch Zeit dafür :)
Heute brachen wir dann auf mit dem Auto und holten in Nairobi eine Norwegerin, die 3 Jahre zuvor bei Maisha mema als Volunteer gearbeitet hat, und ihren Mann ab. Nach etwa 2 Stunden Fahrt im Ganzen kamen wir in Soweto an. Soweto ist ein Slumgebiet von Nairobi, in dem Maisha Mema ein Clubhouse hat. Das heisst, dass sie dort 230 Kinder "aufgenommen" haben, denen sie eine Schulbildung zahlen und die in diesem Clubhouse unterrichtet werden oder einfach Nachhilfe bekommen. Da die Lehrer in Nairobi momentan streiken, waren beinahe alle der Kinder dort. Von neuem war ich gerührt von einem herzlichen Empfang. Die Kinder tanzten und sangen für uns und wir wurden herumgeführt. Vielleicht werde ich von Zeit zu Zeit für eine Woche dort in Soweto bleiben, da dort die Sozialarbeiterin von Maisha Mema arbeitet. Das würde heissen, dass ich während dieser Zeit bei ihr leben würde. Draussen kamen schon bald wieder Kinder auf mich zu und fragten mich ob ich mit ihnen spielen wollte. Trotzdem ist mir bei diesen Kinder in Soweto aufgefallen, dass sie viel scheuer sind als diese im Kinderheim. Viele von ihenen wagten es nicht mit mir zu sprechen oder mir in die Augen zu schauen. Marianne sagte mir dann, dass dies normal sei, da die Menschen in den Slums sich oft schämen wenn sie weisse Menschen sehen. Es war sehr schön dort zu sein und zu sehen, wie die Arbeit dort läuft, aber auf der anderen Seite war es einfach nur schrecklich. So viel Armut zu sehen ist einfach schrecklich. Auch wenn ich immer wieder einmal Bilder von Slums gesehen habe oder Geschichten gehört habe, vorstellen konnte ich es mir nie. Und als ich dann heute da war, war es für mich unvorstellbar, dass dort 20`000 Menschen auf engstem Raum leben. Auch auf der Rückfahrt als ich aus dem Fenster schaute, gab es viele Dinge die mich einfach nur traurig stimmten. Irgendwo auf einem riesigen Abfallberg sah ich 2 Männer den Abfall durchsuchen. Einer von ihnen hatte so etwas wie 2 kleine Brötchen in einem Säckchen. Der Abfall wird von vielen Menschen durchsucht, entweder nach Essbarem oder nach Dingen, die sie sammeln können und dann irgendwo abgeben können und etwas damit verdienen. Zurück half ich den Hausmüttern und dem Hausvater in der Küche Kartoffeln für das Nachtessen vorzubereiten. Dabei lernten sie mir einige Wörter in Swahili und der Hausvater, Karibu, war davon überzeugt, dass ich es in einem halben Jahr fliessend sprechen werde. Als dann die Kinder von der Schule nach Hause kamen, half ich ihnen bei den Aufgaben, was ich wohl noch öfter tun werde in Zukunft. Nach dem Nachtessen half ich einem der älteren Mädchen in der Küche und machte den Abwasch. Später kam der 16-jährige Paul dazu und half mir dabei. Er fragte mich viele Dinge über die Schweiz und erzählte mir von seinem Traum einmal Fussballprofi zu werden. Bevor ich dann zurück ins Haus ging, schaute ich noch einmal im Mädchenhaus vorbei. Die letzten Tage waren alle sehr eindrucksvoll und ich habe viel zu verarbeiten, aber ich kann mir immer besser vorstellen hier das nächste halbe Jahr zu verbringen und hier meinen Rhytmus zu finden.

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