Woche 2

Diese Woche war wieder einmal vollgepumpt mit neuen Eindrücken. Lansam bin ich mir nicht mehr sicher, ob da irgendwo noch Platz für mehr Eindrücke ist ;) Am Dienstag schaffte ich es wieder einmal mit Jeanette zu waschen, obwohl meine Finger immer noch nicht ganz verheilt waren... Überhaupt ist es hier schwierig die Hände ohne Wunden zu halten. Kaum waren die Schürfungen ein wenig besser, schnitt ich mich einmal mit einem Messer, ein ander Mal mit einem Kartoffelrüster und vom vielen Gemüse schneiden hatte ich eine Plater... Da die Menschen hier keine Maschinen haben sondern ihre ganz eigenen Techniken verwenden, wird halt eben alles noch von Hand gemacht...
Da der Tageswächter Joseph, der eigentlich auch für den Garten zuständig ist, in Urlaub war, packte ich am selben Morgen noch mit Wakariuki und Lea im Garten an. Bevor die Kinder von der Schule nach Hause kamen, gönnte ich mir wieder einmal eine Pause in der Sonne. Obwohl es hier Winter ist, wird es sofort extrem heiss, sobald die Sonne einmal scheint. Vor dem Nachtessen und auch danach half ich den Kindern noch mit ihren Hausaufgaben. Dies ist ein wenig zu meinem Job geworden, dass ich den Kindern damit helfe. Da besonders die Älteren viele Aufgaben haben, wird es bald mal halb 10, bis sie damit fertig sind. Aber ich muss ja schliesslich am Morgen nicht so früh auf, wie die anderen :)
An diesem Abend erzählten mir drei Jungs ein wenig von der Schule und wie oft sie immer noch geschlagen werden. Eigentlich wäre es auch hier verboten, aber die Lehrer sind ziemlich schnell überfordert, was bei Klassen mit 30-50 Kindern auch verständlich ist.

Am Mittwoch gingen wir dann wieder auf den grossen Markt, um Gemüse und Früchte für die ganze Woche einzukaufen. Da Lea immer bei den selben Menschen einkauft, war es als wären wir alle schon altbekannte Freunde ;) und dieses Mal kam ich mir schon ein bisschen weniger weiss vor als beim letzten Mal. Aber auffallen werde ich wohl bis zum Schluss, denn an solchen Orten lassen sich Weisse einfach nicht blicken. Und vielleicht mag ich es genau deshalb so sehr auf diesen Markt zu gehen, weil dort überhaupt nichts touristisches zu sehen ist. So habe ich die Möglichkeit, die Kultur und das Land von seiner wahren Seite kennen zu lernen.

die kenianische Landesblume; weggeworfene Plastiktüten...
die kenianische Landesblume; weggeworfene Plastiktüten...

Den ganzen Donnerstag verbrachten wir dann in den Slums von Soweto. Als erstes besuchten wir eine Familie in den Slums. Es ist unbeschreiblich, wie diese Menschen dort leben müssen. Neben dem Gestank, hat es überall kleine Bächlein da es am Tag zuvor geregnet hat. Aber dieses Wasser ist so unglaublich verschmutzt, dass es schwarz ist und in der Sonne irgendwie grünlich schimmert. Die Frau die wir besuchten lebt mit ihren 3 Kindern in einem kleinen Raum. Um einen Schlafplatz zu haben, wurde der Raum mit Hilfe von aufgehängten Tüchern in 2 Teile unterteilt. Im vorderen Raum standen wir dann und ich versuchte mir vorzustellen Tag ein Tag aus dort aufzuwachen und nicht grosse Hoffnung auf einen ausweg zu haben. Danach halfen wir den ganzen Tag den Lehrerinnen dort beim unterrichten und zu korrigieren. Über den Mittag hatte ich dann die Möglichkeit mit der Sozialarbeiterin Flo zu sprechen und als ich sie so reden hörte, wurde mir kalr, dass es genau diese Art von Arbeit ist, die ich einmal machen möchte. Im Auto erzählte uns Marianne dann wieder einmal eine Geschichte eines Jungen, der einfach so mit 5 von seinem Vater ausgesetzt wurde und die ganze Nacht durch auf seine Rückkehr wartete. Als der kleine Junge am nächsten TAg immer noch dort stand, schaltete sich dann die Behörden ein.

Kinder am Strassenrand in Soweto
Kinder am Strassenrand in Soweto

Nachdem wir den ganzen Donnerstag in Soweto verbracht hatten, war es ein um so grösserer Schock, als wir dann am Freitag wieder einmal in diesem Village market, diesem westlichen Einkaufszentrum waren. Die Menschen die dort durchgestylt herumliefen schienen plötzlich alle so oberflächlich zu sein, als hätten sie keine Ahnung, dass eine halbe Stunde entfernt Kinder ihr Essen erbetteln müssen. Daran, dass die Schere zwischen Arm und Reich so extrem gross ist, muss ich mich einfach eindeutig noch gewöhnen... Da jeden Freitag in diesem Village Market ein Massai Market ist, stöberten Kaja und ich während ungefähr 2 Stunden herum und kauften ein paar Souvenirs für tiefe Preise.

 

Gestern habe ich Afrika wieder von einer ganz neuen Seite kennen gelernt. Vor beinahe schon 2 Wochen ist die Mutter von einem der Mädchen hier gestorben. Da ich so viele Eindrücke wie möglich sammeln möchte und sie mich gerne dabei haben wollte, ging ich deshalb gestern mit auf die Beerdigung. Wir mussten schon um 8 Uhr Morgens los und fuhren dann während Stunden durch weite Ebenen. Auf dem Highway streifte uns ein Töff mit 4 (!)
Passagieren darauf, weshalb wir einen Zwischenstopp einlegten, um den entstandenen Schaden zu reparieren. Nach etwa 3 Stunden Fahrt, kamen wir in einem kleinen Dörflein an, wo uns eigentlich jemand hätte abholen sollen, da die Beerdigung auf dem Land stattfand und dieser Ort extrem abgelegen ist. Als dann aber niemand auftauchte, machten wir uns selber auf den Weg. Solange man dieses Ding auf welchem wir fuhren noch Weg nennen kann... Manchmal war das Auto so schräg, dass ich Angst hatte, wir würden bald umkippen. Und die sogenannte Strasse sah eher aus wie ein ausgetrocknetes Flussbett als sonst irgendetwas. Als wir dann gegen die Mittagszeit dort endlich ankamen, fühlte ich mich wieder einmal weisser denn je. Da es sich um eine traditionelle Beerdigung handelte, sassen überall vor den Lehmhütten Frauen in schönste Tücher eingehüllt. Die Männer standen weiter oben um das offene Grab herum. Die nächsten 2 Stunden sassen wir dort unter einem Baum und tranken Tee. Da ich die Landschaft und die strohbedeckten Häuser bestaunte, wurde es mir dort nicht langweilig.
Die Beerdigung selbst war dann ziemlich speziell, da diese Frau wohl niemanden mehr hatte, der ihr richtig nahe stand. Nicht einmal alle der Kinder weinten, da sie eigentlich keine Beziehung zu ihrer Mutter gehabt hatten. Auf dem Heimweg war ich dann ziemlich k.o. Von den vielen Eindrücken des Tages und so einiges ging mir im Kopf umher...

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