In Soweto

Soweto beim Eindunkeln
Soweto beim Eindunkeln

Obwohl ich am Mittwochmorgen noch nicht wieder ganz gesund war und dies auch bis Freitag nicht wurde, wollte ich unbedingt für längere Zeit einmal nach Soweto gehen. Wir hatten dies schön länger geplant und es war nicht so klar, wann dies wieder wäre möglich gewesen. Also stopfte ich meine 7 Sachen in eine kleine Tasche und wir fuhren um 8 Uhr los. Und ich bereuhe es überhaupt nicht, dass ich mich dafür entschieden habe. Als wir dann dort waren, mussten die Lehrer mit Marianne und Jonny eine Sitzung halten, also war es an mir, mich um die Kinder zu kümmern. Es stellte sich als eine ziemliche Herausforderung heraus, da die meisten der 19 Kinder die Morgens im Clubhouse sind und sehr wenig bis praktisch kein Englisch können. So redeten die Kinder manchmal auf mich ein und alles was ich antworten konnte war "Tafadhali ongea kingereza" -->please talk english(zum Glück hatte ich dies schon gelernt). Dann hatte ich die Möglichkeit mit auf einen Hausbesuch zu gehen. Wir besuchten Mama Cynthia, da diese seit einem Monat über Rückenschmerzen klagte. Ihr ging es zwar wieder besser, aber das ändert nicht die Umstände in denen diese Frau mit ihren 4 Kindern leben muss. Der kleine Raum ist Küche, Schlafzimmer, Essraum und Stube zur selben Zeit. Dieser Frau ging es jedoch schon ein klein wenig besser als der Mutter, bei der wir etwa vor 3 Wochen waren, denn sie konnte es sich "wenigstens" leisten, einige Möbel zu kaufen.Auf dem Rückweg wurden wir noch von einer anderen Mutter eingeladen. Dies war dann wirklich noch einmal um einiges schöner. Diese Frau hatte es irgendwie geschafft und konnte ein ganzes Plot kaufen (mit etwa 7 Räumen zum vermieten). So kann sie nun ihr Geld von den Mieten beziehen und hat für ihre Familie einen schönen Erholungsraum eingerichtet. Nach einem langen Tag, machten wir uns etwa um halb 7 Abends auf. Marianne und Jonny waren schon vor dem Mittag wieder gegangen und ich konnte für 3 Nächte bei der Sozialarbeiterin schlafen. Um ein Matatu nehmen zu können, mussten wir erst noch ein Stück durch Soweto gehen. Gerade um diese Zeit ist ziemlich viel los. An einigen Orten verkauften sie Fisch, weshalb es auch ziemlich stinkte. Um diese Zeit waren viele Betrunkene zu sehen, die sich mit dem billigen und gefährlichen Alkohol hier ihre Probleme weghoffen. Die meisten von denen haben wirklich ein Alkoholproblem, denn dies ist in den Slums nicht selten. Karimi eine der Lehrerinnen und Florence versuchten am Nachmittag aufzuzählen, wie viele Väter sie kennen von den Kindern im Clubhouse, die kein Alkoholproblem hatten. Es war schon nur schwierig 10 zu finden und man bedenke, dass es im Programm ungefähr 230 Kinder hat... Als wir aus dem Matatu ausstiegen, fragte Florence mich sofort, ob ich denn noch alles hätte. Es ist bekannt, dass beim Ausgang immer Menschen stehen, die versuchen im Gedränge zu klauen. Als wir endlich in ihrem Zuhause ankamen, hatte ich meinen ersten Eindruck, wie viele Kenianer leben, wenn sie nicht gerade in einem Slum leben müssen. Ihre Wohnung besteht aus einem winzigen Badezimmer, das WC und Bad gleichzeitig darstellt, einer kleinen Küche in der wir nicht zu zweit Platz hatten, ihrem Schlafzimmer und dem Wohnzimmer. Das Wohnzimmer ist in einer Ecke nach hinten vergrössert und dort hat es gerade genügend Platz zwischen den Wänden, um ein Bett hinzustellen, für ihre Tocher und ihre Nichte die bei ihr lebt. Da alles so eng ist, macht sie am Abend normalerweise nichts anderes als TV schauen, so erklärte sie mir. An diesem Abend zeigte sie mir noch lange Fotos und ich erfuhr so einiges über ihr Leben. Obwohl sie selber nicht viel hat, hat sie ein Patenkind und versorgt die beiden Töchter ihrer Zwillingsschwester, da bei der so einiges aus dem Ruder gelaufen war. Sie selbst hat wenig, aber da es andere gibt, die noch weniger haben, erbarmt sie sich über anderen...

So kann ein Wohnzimmer auch aussehen
So kann ein Wohnzimmer auch aussehen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0