Eine weitere Woche in Soweto

Diese Woche verbrachte ich wieder einmal tagsüber in Soweto und übernachtete bei der Sozialarbeiterin zu Hause, die in der Nähe wohnt. Am Tag zuvor war Teacher Albert noch nicht im Clubhouse als wir ankamen, da sein Matatu im Stau stand, also übernahm ich seine Klasse und unterrichtete ihnen Englisch. Als er dann kam und die Kinder sowieso noch am Arbeiten war, versuchte er mich in Swahlili zu unterrichten mit dem Lernmittel für 1. Klasse…Obwohl ich langsam verstehe wie die Sprache „funktioniert“, ist es immer noch ziemlich schwierig mich an Wörter zu erinnern, aber ich habe ja immer noch 3 Monate Zeit J Am Mittag entdeckte er dann, dass seine Fotokamera, die er an diesem Tag mitgenommen hatte, plötzlich nicht mehr dort war, wo sie eigentlich hätte sein sollen. So verbrachten wir mehr oder weniger den ganzen Nachmittag damit, diese Kamera zu suchen und seine beiden Schüler auszufragen, da sie neben uns die einzigen waren, die sie auch gesehen hatten. Als Albert mir dann sagte, dass er das Mädchen verdächtigte, war ich erst einmal schockiert, dass man überhaupt dies einem 13-jährigen Mädchen zumuten kann. Noch mehr schockiert war ich dann, als die Kamera in einem guten Versteck gefunden wurde und das Mädchen zugab, dass sie es war. Also musste am Mittwoch ihr Vater mit ihr ins Clubhouse kommen, um mit allen Lehrern und Kibicho zu reden. So kam es, dass ich von 14-18 Uhr mit all den Kindern alleine war und von einem Klassenzimmer zum Nächsten rannte. Auch wenn es ziemlich anstrengend war, kann ich mir jetzt wenigstens vorstellen, wie es für all die Lehrer hier sein muss, die Klassen an etwa 60 Schüler unterrichten… Beim Gespräch mit dem Mädchen fand man heraus, dass sie schon in der Woche zuvor 900 Schilling einer anderen Lehrerin genommen hat und 3 Wochen vorher auch die Clubhouse Kamera gestohlen hatte. Auch von ihrer Mutter hatte sie diverse Kleider gestohlen und all dies zu einer Frau gebracht, die alles verkaufte und immer Geld versprach aber dann alles für sich behielt... Anscheinend wollte sie ihr auch einen Job als Housegirl andrehen, wobei sie etwa 3000 Schilling im Monat verdienen würde und 2000 davon der Frau geben würde. Das Mädchen hatte sie schon so lange manipuliert, dass sie nun nicht mehr zur Schule gehen will und die Eltern sie immer zwingen müssen. Am Freitag tauchte sie dann gar nicht mehr auf und sie war nirgends zu finden. Ihr Vater fand sie dann an einer Matatustation mit der anderen Frau, die sich sofort aus dem Staub machte, sobald sie ihn sah. So ging dann auch meine Woche in Soweto vorbei und nach einer langen und ermüdenden Fahrt durch die Stadt bis nach Kabuku, kamen wir endlich wieder in Tigoni an und ich freute mich richtig darauf, mich am Wochenende ein wenig erholen zu können. Es sind extrem wertvolle Erfahrungen, die ich auch gerade in Soweto sammeln kann, aber es ist physisch und psychisch einfach extrem ermüdend und auch noch am Abend wenn man im Bett liegt, drehen sich die Gedanken im Kreis und Geschichten von diesen süssen Kindern, die in Armut aufwachsen gehen einem einfach nicht mehr aus dem Kopf… Und auch die Tatsache, dass alles nach Abgas riecht und es eng und staubig ist, lässt einem noch mehr bewusst werden, wie privilegiert man doch einfach ist…

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